Bericht von Frau Nengah aus dem Frauenhaus

 
Bericht einer ehemaligen Bewohnerin des Frauenhauses
 
Frau Nengah hat drei Kinder. Sie arbeitet als Verkäuferin von Getränken und Lebensmitteln, die an Stände oder Geschäfte geliefert werden. Sie wohnt in Untermiete, in einem Haus, in dem die Familie zwei Zimmer gemietet hat, eines für das Ehepaar, das andere für die Kinder. Die Mutter hat lange Zeit häusliche Gewalt oder Schläge durch ihren Mann erlebt. Ihr Mann ist der Meinung, dass sie seit ihrer Heirat mit ihm zusammen kaum mehr Geld verdienen konnten. Auch heißt die Familie ihres Ehemannes diese Beziehung nicht gut. Der Ehemann ist gebildet, während Frau Nengah aus einer einfachen Familie stammt. Er schlägt sie häufig, meist wenn Frau Nengah die Unterkunft verlassen hatte, um außerhalb zu arbeiten. Ihr Mann ist dann oft eifersüchtig und denkt, dass Frau Nengah eine Affäre hat. Kleine Dinge werden dabei oft groß und aus dem Nichts heraus entstehen Streit und körperliche Übergriffe.
Frau Nengah arbeitete hart, weil das Einkommen ihres Mannes nicht für den Lebensunterhalt der Familie ausreicht. Aber weil sie oft misshandelt wurde, wollte Frau Nengah unbedingt das Haus und ihre Kinder verlassen und berichtete einem der GKPB-Pfarrer, dass sie mit ihrem Mann nicht länger zusammenleben könne. Der Pfarrer verwies Frau Nengah an das Frauenhaus, wo sie und ihr jüngstes Kind vorübergehend untergebracht wurden, bis zu einer möglichen Klärung, während ihre beiden anderen erwachsenen Kinder in der Wohnung blieben, um ihren Vater zu beaufsichtigen.
In ihrer schwierigsten und ängstlichsten Zeit hat die Frau ihren Mann angezeigt, obwohl sie nicht wusste, welche Auswirkungen das auf sie und ihre Kinder haben könnte.
Die Mandantin hat diese Haltung eingenommen, um ihren Ehemann für weiteren Übergriffen abzuschrecken, und sie wollte nicht weiterhin, dass ihre Kinder sehen, wie schlecht ihre Mutter behandelt wird.
Die Frau wurde im Frauenhaus angemessen behandelt, konnte sich dort vorübergehend einrichten und wurde nicht mehr geschlagen oder misshandelt.
Der Ehemann wurde vom örtlichen Pfarrer auf sein Handeln gegenüber seiner Frau zur Rede gestellt und daraufhin sofort bei der Polizei angezeigt.
Die Diakonie unterstützte und stärkte die Frau, das medizinischen Team untersuchte und dokumentierte ihre körperlichen Verletzungen und ermöglichte ihr, dass sie eine Beratungsstelle aufsuchen konnte.
Nach einer Woche im Frauenaus, in der Beratung und persönliche Kommunikation stattfanden, stimmte Frau Nengah schließlich einer Mediation zwischen ihr und ihrem Ehemann zu, an der Vertreterinnen der Diakonie, die Polizei und der örtliche Pfarrer beteiligt waren. Der Ehemann unterzeichnete schließlich eine Erklärung, in der er sich verpflichtete, keine häusliche Gewalt mehr auszuüben, und im Falle einer Wiederholung bereit war, sich erneut mit der Polizei und einem bereits angedrohten Gefängnisaufenthalt auseinanderzusetzen.
Inzwischen arbeitet Frau Nengah wieder, noch immer ohne Drohungen von ihrem Mann befürchten zu müssen, und der Ehemann wird weiterhin vom örtlichen Pfarrer und einem Ältesten der Gemeinde betreut und unterstützt.